Rathausplatz Kettwig

Stellungnahme des Arbeitskreises „Kunst, Kultur und Ortsbildpflege“ im HVV zu den vorliegenden Entwurfskonzepten zur Umgestaltung des Bürgermeister-Fiedler-Platzes

Stellungnahme als pdf zum Download:
Stellungnahme des Arbeitskreises – Stand 09-01-2018_


Inhalt:

1. Arbeitsauftrag und zeitliche Chronologie

2. Zusammenfassung der Zwischenergebnisse und Darstellung des Zielkatalogs
2.1 Historie
2.2 Analyse des Stadtraumes

3. Der Zielkatalog für eine Umgestaltung

4. Einordnung der vorliegenden Entwurfskonzepte
4.1 Vorbemerkungen
4.2 Die Konzeption der Architekten-Arbeitsgruppe Rathausplatz
4.3 Die Konzeption der Planungsgruppe Nemitz|Sandmann unter Mitwirkung der Landschaftsarchitekten Pacyna und Koch auf der Basis einer Konzeptidee von Prof. Ruhnau

5. Anhang
5.1 Auswertung der Dialogkarten
5.2 Bestandanalyse des HVV-AK
5.3 Höhenplan des B-F-Platzes

6. Das Konzept der Planungsgruppe Nemitz | Sandmann


1. Arbeitsauftrag und zeitliche Chronologie

Der Arbeitskreises „Kunst, Kultur und Ortsbildpflege“ hat eine öffentliche Diskussion zur Umgestaltung des Bürgermeister-Fiedler-Platzes angestoßen. Er wurde von der Bezirksvertretung beauftragt, diesen Diskussionsprozess federführend zu koordinieren.

Bisher konnten folgende Teilschritte abgeschlossen werden (Chronologie):

  • Analyse der Platzsituation räumlich, nutzungsspezifisch, gestalterisch
  • Initiierung der Entwicklung von alternativen Konzeptideen durch die Fachplaner Sandmann | Nemitz | Pacyna auf der Basis eines Konzeptes von Prof. Ruhnau
  • Vorstellung dieser Planungsideen im Rahmen einer Bürgerveranstaltung

Neben dem beschriebenen Prozess fanden eigeninitiativ organisierte „Platzführungen“ durch den Architekten Fütterer statt. Eine Präsentation seiner Ideen in der Bürgerveranstaltung lehnte er jedoch ab und untersagte eine Präsentation seiner presseöffentlich gemachten Planungsideen seitens des HVV im Zusammenhang mit den anderen Konzepten. Mit den Architektinnen Furtenhofer und Lilienfeld-Boese traten zwei weitere Fachplanerinnen mit eigenen Konzepten an die Öffentlichkeit und arbeiteten anschließend gemeinsam mit Herr Fütterer in der Architekten-Arbeitsgruppe Rathausplatz.

  • Ausgabe und Auswertung von sog. Dialog-Karten, auf denen Bürger nach ihrer Meinung zu Stärken und Schwächen der Entwurfsalternativen befragt wurden und darüber hinaus in „offenen“ Antworten eigene Ideen formulieren konnten
  • Versuch der Initiierung eines eingeladenen Ideenwettbewerbs an sechs Planungsgruppen, der jedoch – da im Widerspruch zu standesrechtlichen Regelungen der Architektenkammer stehend – trotz des Interesses der Büros nicht durchgeführt werden konnte
  • Einladung an die Planungsgruppe Fütterer, an einem geordneten Diskussionsprozess teilzunehmen
  • Erarbeitung eines unter Mitwirkung der Architekten-Arbeitsgruppe Rathausplatz und Pacyna|Nemitz|Sandmann abgestimmten Zielkatalogs für die Umgestaltung
  • Versuch einer Harmonisierung der unterschiedlichen Konzepte
  • Versuch der Harmonisierung der unterschiedlichen Konzepte mit Hilfe des Stadtplaners und erfahrenen Moderators Klaus Wermker
  • Abbruch des Versuchs durch den Moderator
  • Begleitung einer Bachelorarbeit von Florian Koch im Fachbereich Landschaftsarchitektur in Höxter zur Neugestaltung des B-F-Platzes
  • Getrennte Fortschreibung der Konzepte durch die einzelnen Planergruppen
  • Vorstellung der zwei Konzepte in einer Arbeitsgruppe der BV im November 2017.

Im folgenden Kapitel werden nun die Zwischenergebnisse zusammengefasst und der Zielkatalog dargestellt.


2. Zusammenfassung der Zwischenergebnisse und Darstellung des Zielkatalogs

2.1 Historie

  • Der Platz ist kein historisch „gewachsener“ Platz
  • Der Platz entstand Mitte der 1970er Jahre durch den Entschluss zur Neuordnung der Ortsmitte
  • Nach Abriss von ehemals den beengten Platz begrenzenden Fachwerkhäusern entstanden eine neue Straßenführung von Schulstraße und Hauptstraße und neue, heute randbildende Bebauungen im Stil dieser Zeit
  • Seit einigen Jahren (2012?) schwelt eine Diskussion um Reparaturnotwendigkeiten an der damaligen Planung.

Tenor: die Platzgestaltung bleibt hinter dem Potenzial des Platzes zurück.


2.2 Analyse des Stadtraumes

Die Analyse des Stadtraumes lässt sich etwa wie folgt zusammenfassen (Details siehe Grafik im Anhang):

Wir reden über einen Stadtraum,

  • dessen Raumkanten sehr heterogen sind (Bauzeit, Materialien, Gestaltqualität etc.),
  • dessen Gliederung vorrangig der Linienführung der für die verkehrliche Erschließung der Ortsmitte notwendigen Straßen folgt,
  • der nutzungsspezifisch unterschiedliche Bereiche aufweist:
    • den Rathaus-Vorplatz (Bürgermeister-Fiedler-Platz), den viele als den „eigentlichen“ Platzraum erkennen,
    • den Parkplatz vor der Häuserzeile an der Hauptstraße, der zweimal wöchentlich als Marktplatz genutzt wird
    • den Parkstreifen vor der Häuserzeile an der Schulstraße, der im Verschwenkungsbereich von Schulstraße und Hauptstraße zu einem Verweilplatz mit Sitzbänken rund um den Märchenbrunnen gestaltet wurde.

Wenn wir über den Bereich Rathaus-Vorplatz / Bürgermeister-Fiedler-Platz reden, dann reden wir über eine Fläche

  • deren Instandhaltungszustand (Pflaster) beklagenswert ist
  • deren Aufenthaltsqualität in den Augen der Bürger unbefriedigend ist
  • deren Nutzbarkeit in den Augen von Veranstaltern eingeschränkt ist
  • die aufgrund ihrer Topographie schlecht gelöste Zwangspunkte vor einer den Platz abschließenden Ladenzeile aufweist und
  • die als Antwort auf ihre nicht unbeträchtlichen Niveauunterschiede eine großräumige Pflanzfläche, teils unglücklich verzogene Geländegefälle und eine missglückte Treppe bereithält.

Wenn wir über den Bereich „Märchenbrunnen“ reden, dann reden wir über eine Fläche,

  • die nach Abbruch von Häusern und Neugestaltung des Einmündungsbereiches Schulstraße / Hauptstraße als „Restfläche“ entstanden ist
  • die seit neuerem von einer Skulpturengruppe mit Brunnen und Sitzbänken im Baumschatten geprägt ist
  • die größtenteils mit einer niedrigen Bepflanzung gefasst und gegenüber dem Straßenraum durch Sperrbügel abgetrennt ist.

Wenn wir über den Bereich „Markt“ reden, dann reden wir über eine mit Bäumen bestandene Fläche vor denkmalgeschützten Gründerzeithäusern an der Hauptstraße,

  • die an fünf Tagen in der Woche Parkplatz ist und an zwei Vormittagen in der Woche für einen Straßenmarkt genutzt wird,
  • von der die Marktbeschicker auch bei alternativen Standplatzangeboten nicht weichen wollen,
  • die aufgrund der beschriebenen Nutzung ohne Verweilqualität im Alltag ist.

 

3. Der Zielkatalog für eine Umgestaltung

Der in Zusammenarbeit mit den Planungsgruppen erarbeitete Zielkatalog beschreibt grundsätzliche Ziele, die zum jetzigen Planungszeitpunkt planungsrelevant sind. Diese sind:

  • Grundsätzlich geht es um die Gestaltung eines städtischen Platzes, nicht einer Park- oder Grünfläche; Erhalt der großen Eiche und der Linden; weitere strukturgebende Bepflanzungen sind möglich;
  • Die Platz begleitenden Straßen als „shared space“ zulassen;
  • Blickachsen auf Rathaus und –turm thematisieren;
  • Barrierefreiheit von Zugang und Belag;
  • (Innen- und Außen-) Gastronomie i.V. mit der Umnutzung des Rathauses
  • Der Platz soll Aufenthaltsqualität bieten und Verweilplätze mit und ohne Verzehrzwang;
  • Einzelne „Spielpunkte“ für Kinder und Erwachsene, wenn entsprechende Vereine sich für Pflege der Fläche bzw. der Verwahrung der Spielfiguren (Schach, Boule…) verantwortlich erklären;
  • Erhalt der Skulpturen möglichst am vorhandenen Standort (insbes. Die Familie von H. Lungwitz);
  • Nutzbarkeit für Events wie bisher;
  • Großflächige Nutzbarkeit bei Großevents unter Einbeziehung der Bereiche „Markt“ und „Märchenbrunnen“
  • Funktionszusammenhang von Platz und Rathausnutzungen stärken;
  • Verlegung von Trafostation und Haltestelle ist wünschenswert, aber aus Kostengründen nicht zwingend.

Weitere Anforderungen und solche mit größerer Planungstiefe müssen sinnvollerweise nach Klärung weiterer Voraussetzungen (Rathaussanierung, Art der Rathausnutzung, öffentliches WC) einer späteren Planungsphase vorbehalten bleiben.


4. Einordnung der vorliegenden Entwurfskonzepte

4.1 Vorbemerkungen

In unseren Ausführungen beziehen wir uns auf den Zielkatalog des HVV-Arbeitskreises, der die gemeinsam mit den Planungsteams erarbeitete Basis der heute vorliegenden Entwurfsüberlegungen ist, sowie die Auswertung der Dialogkarten (siehe Anhang) und eigene fachliche Überlegungen. Auf die jeweilige Beschreibung der sich uns vermittelnden Planungsabsicht erfolgt unmittelbar eine Kommentierung.

Wir möchten hier zuvor noch auf eine oft geäußerte, in der Arbeitsgruppe zwar diskutierte aber letztlich nicht aufgestellte Forderung eingehen, die beide Entwürfe gleichermaßen betrifft. Dazu gehört zuvörderst die Forderung nach einer phasenweisen, „modularen“ Umsetzbarkeit der Planungskonzepte. Diese möglicherweise Budget getriebene Überlegung muss, gleich bei welchem Konzept, aus grundsätzlichen Erwägungen heraus scheitern. Beide Konzepte –und wahrscheinlich auch jedes weitere- sehen eine komplette Umformung des Platz-untergrundes vor, sei es durch umfangreiche Erdbewegungen zur Nivellierung der Höhenunterschiede oder sei es durch die Anlage von Sitzstufen. Auch die neue Plattierung / Pflasterung, die beide Konzepte vorschlagen und die aufgrund des Erhaltungszustandes und der fragwürdigen Gestaltungsqualität des vorhandenen Belages sinnvoll sind, und die Schaffung von Verweilmöglichkeiten erfordern ein großvolumiges Vorgehen, das auch die größte Investition erfordert. Weitere Maßnahmen lassen sich dieser primären Maßnahme zwar unterordnen, sind aber auch deutlich weniger kostenintensiv. Will sagen: die Modularität ist eine mit gleich welchem Konzept nicht erfüllbare Forderung.

Bushaltestelle und Trafostation sind in beiden Planungskonzepten nicht „angefasst“ worden. Dies ist beim Trafo am ehesten nachvollziehbar. Die Trafostation lässt sich jedoch gut als „Kunstobjekt“ (Spray-Objekt) mit wechselnden Erscheinungsformen vorstellen und würde damit temporär neue Akzente setzen. So könnte aus einem Mangel ein Hingucker werden. Zumindest eine Neugestaltung der Bushaltestelle bei Beibehaltung der Lage wäre ebenfalls dringend geboten. Gute Beispiele dafür wären die Haltepunkte auf Zollverein oder am Museum Folkwang. Beides täte jedem der vorgestellten Konzepte gut. Beide Konzepte würden dadurch erheblich gewinnen.

Für den Straßenraum sind in beiden Konzepten die Varianten „verkehrsberuhigte Zone“ „shared space“ oder andere Lösungen zur Einbeziehung des Straßenraumes in die Platznutzung umsetzbar. Hier wird mit den Fachämtern der Verwaltung darüber zu reden sein, was möglich ist, um die Platzkonzeption angemessen zu stärken.

Wir können feststellen, dass beide Entwurfskonzepte grundsätzlich die Forderungen des Zielkataloges erfüllen. Gleichwohl nehmen die Planungsgruppen unterschiedliche Gewichtungen einzelner Punkte vor und kommen zu qualitativ unterschiedlichen Lösungen. Darauf gehen wir bei der Kommentierung der einzelnen Konzepte ein.

 

4.2 Die Konzeption der Architekten-Arbeitsgruppe Rathausplatz

Die Analyse

In ihrer Analyse kommt die Arbeitsgruppe zu dem Ergebnis, dass Fußgänger nicht auf den Platz, sondern um den Platz herumgeführt würden und eine Querung des Platzes nicht möglich sei. Des Weiteren behinderten Grünstreifen im Bereich der Straßeneinmündung von Schul- und Hauptstraße die Verbindung zwischen Märchenbrunnen und B-F-Platz. Durch die Staudenpflanzung (Anm. der Verfasser: durch die weitere Grünflache) sei der Platz zerteilt und es fehle eine zusammenhängende Fläche für Kulturveranstaltungen.

Unsere Alltagsbeobachtung, die wir in unserer eigenen Bestandsanalyse (siehe Anhang) skizziert haben, kommt zu eindeutig anderen Ergebnissen. Die Analyse ignoriert die vorhandenen Wegeführungen. Statt die Möglichkeit der Querung gänzlich zu negieren, hätte die Arbeitsgruppe vielmehr feststellen können, dass die Querung des Platzes allein in einer Weise, wie die Planverfasser dies wünschen, nicht möglich ist. Insofern vermuten wir, dass hier die „Analyse“ mit Blick auf eine Entwurfsabsicht gegenüber der Realität verengt wird. Genauso gelagert sind die Feststellungen zu den „trennenden“ Grünstreifen, die man mit guten Grund gerade am Märchenbrunnen auch  als schützende Abtrennung zum Straßenverlauf  werten kann. Nach unserer Auffassung stärkt der „Grünstreifen“ die Aufenthaltsqualität an dieser Stelle des Platzes in erheblicher Weise und schafft zudem Sicherheit für um das Wasserspiel herumspielende Kinder.

Die Arbeitsgruppe stellt das Fehlen von „zusammenhängenden Flächen für Kulturveranstaltungen“ fest.

Die Konzeption

Der Bürgermeister-Fiedler-Platz wird weitgehend von bestehendem Grün geräumt. Die erhaltenen Bäume werden ergänzt um niedrigkronige Bäume vor den Fassaden des Rathauses und vor der Bebauung der Schulstraße. Die Standorte der Skulpturen bleiben bestehen und werden durch eine Pflanzinsel bzw.  ein Wasserbecken besonders akzentuiert. Die Höhendifferenzen werden durch allseitig zur Straßenkante mehr oder weniger stark abfallendes Gelände überbrückt.

Das Freiräumen des Platzes schafft selbstverständlich „freie Sicht“ von nahezu überall auf nahezu alles. Im Gegensatz dazu stehen Blickachsen, die linear auf besondere Orientierungspunkte ausgerichtet sind und von bestimmten Standpunkten aus bestimmte Blickbezüge ermöglichen. Dies gilt es gegeneinander abzuwägen.

Das Freiräumen des Platzes schafft selbstverständlich auch „freie Wege“. Bedeutet dies a priori aber auch „Belebung“, wie der Planansatz verspricht? Führt dies tatsächlich dazu, dass man sich auf beliebigen Laufwegen häufiger begegnet als auf sinnfälligen, an Raumstrukturen orientierten (statt „freien“) Wegeführungen? Schafft ein sich beim Queren des Platzes Begegnen eine Steigerung der Aufenthaltsqualität?

Das Freiräumen des Platzes schafft eine große zusammenhängende Fläche für Kulturveranstaltungen. Bei diesem neben „freie Sicht“ und „freie Wege“ zentralen Entwurfsansatz, mit dem das Freiräumen der Platzfläche letztlich begründet wird, ist zu hinterfragen, ob etwa 20 Veranstaltungstage pro Jahr eine solche Prioritätensetzung rechtfertigen, wenn nicht gleichzeitig auch die zentrale Forderung der Bürger nach Verbesserung der Aufenthaltsqualität Rechnung getragen wird. Eine Vergrößerung des Flächenangebotes ist erreicht, die geforderte Verbesserung der Aufenthaltsqualität können wir nicht erkennen.

In die bis auf die Skulpturen und die solitäre Eiche freigeräumte Fläche wird eine elipsenförmige Pflasterfläche mit betonten Pflasterbandrändern eingeschrieben. Die Plattenbelagsfläche vor dem Rathaus muss dieser Form folgen und verliert sich an ihren -je nach Laufrichtung- Anfangs- bzw. Endpunkten eher indifferent. Um den Verlauf dieser zunächst grafisch, aber weniger raumunterstützend wirkenden Linienführung ablesbarer zu machen, werden die Ränder mit Laternen, Fahnenmasten und gekurvten, das Niveaugefälle aufnehmenden Sitzmauern markiert. Diese neue ornamentale Flächengliederung scheint zu der Linienführung der Straße eine Entsprechung zu suchen, die aber in keiner Beziehung zu vorhandenen Raumstrukturen steht und nur in einer Aufsicht wahrnehmbar ist.  Die Pflasterfläche wird dann noch zweimal mit anders eingefärbten Pflastermaterial / anderem Material aufgebrochen: einmal zur flächigen Markierung für einen Bereich mit  Spielpunkten (Mattenboden?) und zum anderen zur Markierung eines „kleinen Amphitheaters“, was –geht man vom Namen aus- auf getreppte Sitzstufen im Zusammenhang mit der Sitzmauer hinweist oder lediglich eine anmaßende Beschreibung für eine Bodenmarkierung ist. Diese Teilbereiche werden zusätzlich durch ein Pflasterband ornamental eingefasst, um eine Beziehung zwischen Sitzmauern und Skulpturen erkennbar zu machen. Da die Lungwitz-Skulptur aber durch eine Pflanzfläche eingefasst ist, läuft diese Bodenmarkierung auf Einfassung zu und ins Ungefähre. Damit kann sie ihren Zweck nicht erfüllen.

Für uns wird nicht überzeugend nachgewiesen, dass das zentrale Entwurfsprinzip, nämlich die unterschiedlichen Geländeniveaus als allseitiges Gefälle vom Hochpunkt Rathauseingang / Bistro-Terrasse zu den unterschiedlich hohen Tiefpunkten entlang der umlaufenden Straßenkante auszubilden, ohne Versätze durchzuhalten ist. Die zwei je 8 cm hohen Stufen, die durch eine mit einem Baum bepflanzte wassergebundene Decke verbunden sind, verstärken diesen Eindruck noch, wenn man bedenkt, dass der Niveausprung von der Hauptstraße und oberem Platzplateau heute durch 8 Stufen und eine Gesamtsteigung von > 1,10 m beträgt und das Verziehen des Geländes heute zwei Stützwände erfordert. Wir hätten es begrüßt, wenn die Realisierungsmöglichkeit eines so zentralen Entwurfsansatzes deutlicher nachgewiesen worden wäre als dies geschehen ist. Zudem steht die nachhaltige Nutzbarkeit von wassergebundenen Decken zumal im öffentlichen Raum und zumal unter der Bedingung einer mittig platzierten Baumpflanzung deutlich infrage.

Die großzügige Blau-Einfärbung des neuen „zentralen Platzes“ täuscht zumindest darstellerisch darüber hinweg, dass Platzeinbauten wie Baumsolitär, Pflanzbereich um die Lungwitz-Skulptur, die Bushaltestelle und die Trafo-/Verteilstation den Platz de facto kleiner machen als dies die plakative Darstellung suggeriert.

Insgesamt vernachlässigt der Entwurfsansatz der Architekten-Arbeitsgruppe Rathausplatz aufgrund seiner primären Ausrichtung auf die Schaffung einer großen „zusammenhängend nutzbaren Flächen für Kulturveranstaltungen“ die von den Bürgern in oberster Priorität geforderte Verbesserung der Aufenthaltsqualität im alltäglichen (Er-) Leben des Platzes. Mit der Zurücknahme vorhandener Sitzmöglichkeiten zugunsten von (bei dem Gefälle wie gestalteten?) Sitzmauern wird diese zentrale Forderung nicht erreicht.

 

4.3 Die Konzeption der Planungsgruppe Nemitz|Sandmann unter Mitwirkung der Landschaftsplaner Pacyna und Koch auf der Basis eines Konzeptes von Prof. Ruhnau

Analyse

Die Analyse dieser Planungsgruppe („Bewertung des Bestandes“) befasst sich in einer Bestandsbeschreibung mit einzelnen Teilbereichen des Stadtraumes und öffnet den Blick auch in angrenzende Straßen hinein. Als Planungsziel wird definiert „einen homogenen Platz zu schaffen mit einer ausgezeichneten Aufenthaltsatmosphäre, guten Nutzungsmöglichkeiten für Veranstaltungen wie Stadtfeste, kulinarische Meile, Weihnachtsmarkt, Freiluftkonzerte etc. aber auch private Nutzungen wie Hochzeiten und attraktive Außengastronomie“. Dabei wird dem B-F-Platz das Hauptaugenmerk gewidmet und zwar unter der Prämisse, dass sich seine Gestaltung in das „Gesamtensemble“ mit den attraktiven Bereichen Markt und Märchenbrunnen einfügt. Diese Einheit soll durch eine sorgfältige Material- und Pflanzenauswahl gefördert werden.

Die Konzeption

Die vorgelegten Entwurfsvarianten A und B gehen von der Durcharbeitung von Teilbereichen mit unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten aus. Allen gemeinsam ist dabei ein Belag mit  Bodenmaterialien und Verlegemustern (Karres aus Porphyrplatten und einer Rahmung aus Natursteinpflaster) wie sie in den angrenzenden Bereichen Märchenbrunnen und Marktfläche bereits vorliegt, womit insgesamt eine durchgängige, sofort erfahrbare gestalterische Einheit und Zusammengehörigkeit erreicht werden soll. Durch die Anordnung einer ergänzenden Bepflanzung mit Bäumen ohne geschlossenes Kronendach wird die Ausprägung der Bereiche unterstrichen. Durch das Freiräumen der heute mit Stauden bepflanzten Fläche und das Zurücknehmen der Grünfläche an einem Skulpturenstandort wächst das Angebot an bespielbaren Flächen.

Der Niveauunterschied zwischen Straße und Plateau vor dem Rathauseingang wird durch Lauf- und Sitzstufen gestaltet, die im Bereich der Niveaugleichheit auslaufen und einen barrierefreien Zugang zum Rathaus, zur geplanten Außengastronomie und den Geschäftseingängen ermöglicht. Die Pflasterung wird bis in den mit Linden eingefassten Bereich fortgeführt, so dass ein „Einstieg“ in den Platz an jeder Stelle zwischen den Bäumen möglich ist. Auf der Fläche werden einzelne „Spielpunkte“ für Kinder und Erwachsene angeboten.

Das Konzept bietet unterschiedlich nutzbare, unterschiedlich orientierte, unterschiedlich akzentuierte, unterschiedlich große, sonnige und verschattete Teilbereiche mit jeweils eigener Aufenthaltsqualität an. Ein Verweilen von Menschen auf Sitzstufen oder auf Bänken und Restaurantstühlen wird je nach Gusto, körperlicher Befindlichkeit oder Verweilabsicht an verschiedenen, an individuellen Orten des Platzes möglich gemacht. Aus den einzelnen Teilbereichen ergeben sich jeweils unterschiedliche Blickbeziehungen zu den angrenzenden Platzbereichen. Weitere Sitzmöglichkeiten unter der Baumreihe an der östlichen Platzseite vor den Geschäften sind nicht ausgewiesen aber ohne weitere Erklärungen vorstellbar. Die Anordnung doppelreihiger Bänke unter den Bäumen auf dem Rathausplateau ermöglicht unterschiedliche Blickrichtungen in Richtung Rathaus und in Richtung Märchenbrunnen und Markt.

Das Pflanzkonzept unterstreicht sehr akzentuiert die Entwurfsabsicht. Wir glauben, dass die rundum Skulptur („Breklosku“) angelegte Grüninsel jedoch weiter reduziert werden und in Form und Gestaltung attraktiver und auf den Platz bezogener gelöst werden kann.

Das Angebot an nutzbaren Flächen für die in Rede stehenden Veranstaltungen wird deutlich größer.  Deutlich größere als die bisher gewohnten Formate sehen wir hier allerdings nur mit Einschränkungen. Ob der Bedarf an solchen Veranstaltungsformaten vorhanden ist und ob diesen seltenen Ereignissen ein Vorrang mit entsprechenden gestalterischen Auswirkungen zugeschrieben werden sollte, das stellen wir in Frage.

Mit dieser Konzeption halten wir die wichtigste Forderung aus den Dialogkarten nach Steigerung der Aufenthaltsqualität im Alltag für besser erfüllt. Die barrierefreie Erreichbarkeit von Rathaus, Geschäften und geplanter Gastronomie und die vielfältigen Querungsmöglichkeiten des Platzes bleiben gegeben. Plätze in urbaner Umgebung bewältigen Niveauunterschiede regelmäßig mit Lauf- und  Sitzstufen und nutzen dieses Potenzial, wobei genau wie in diesem Konzept barrierefreie Zugänge selbstverständlich sind.


5. Anhang

5.1 Auswertung der Dialogkarten aus der Bürgerinformation

Der Bitte des HVV, sich mittels Dialogkarten an der Diskussion um die Neugestaltung des Bürgermeister-Fiedler-Platzes zu beteiligen, sind 57 Personen gefolgt. Davon 16 ohne Namennennung, aber seriös ausgefüllt, so dass wir uns entgegen unserer Ankündigung entschieden haben, auch diese (anonymen) Antworten auszuwerten.

Die Auswertung der Wahl-Antworten („ankreuzen“)

Eine sehr deutliche Mehrheit der Befragten wünscht sich ein Café / Bistro mit Außengastronomie für den Platz. Sehr hohe Zustimmung finden die Forderungen nach  Bänken (mit Lehnen), die in sonnigen und schattigen Bereichen zum Verweilen einladen. Beim Umbau des Rathauses soll ein öffentliches WC berücksichtigt werden.

In der zweiten Rangstufe (weniger als 45% mehr als 31% Zustimmung) folgen der Wunsch nach einem neuen Oberflächenbelag, nach einer Beleuchtung des Platzes und nach Spielflächen für Kinder und Erwachsene, wobei hier Schach und Boule die genannten Spielideen sind (aus der Textauswertung).

In einer dritten Rangstufe (weniger als 30% Zustimmung)  findet sich der Wunsch nach der Verlagerung des Marktes an diesen Standort gefolgt vom Wunsch nach mehr Grün und einer Kinderspielfläche.

Eine detaillierte Auswertung ist der tabellarischen Zusammenstellung der Auswertung zam Ende des Absatzes zu entnehmen.

Bei der Bürgerinformation in den Räumen der Sparkasse haben wir die Teilnehmer ermutigt, die Dialogkarten zu nutzen, um sich auch zum überraschend präsentierten Konzept der Landschaftsarchitektin von Lilienfeld und den bereits öffentlich präsentierten Entwurfsideen des Architekten Fütterer zu äußern. Von dieser Möglichkeit wurde rege Gebrauch gemacht. Insofern haben wir die Nennungen für vier Konzepte ausgewertet; bei dieser Auswertung wurden auch Aussagen / Wertungen aus den freien Texten einbezogen:

  • Entwurf 1 der Planungsgruppe Nemitz|Pacyna|Sandmann mit seinem großen Platzangebot vor dem Rathaus erhielt 11 Stimmen
  • Entwurf 2 der Planungsgruppe Nemitz|Pacyna|Sandmann mit einem reduzierten Plateau vor dem Rathaus und einem großzügigen, etwa höhengleichen Flächenangebot im Übergang / mit Einbeziehung des Kreuzungsbereiches Haupt- und Schulstraße und dem Märchenbrunnen erhielt ebenfalls 11 Stimmen.
  • Der Entwurf von Frau von Lilienfeld mit begrünten Arkaden vor den platzbildenden Gebäuden und einer umfassenden Flächenabsenkung vereinigte 7 Stimmen,
  • der Entwurf von Herrn Fütterer mit der Anlage einer über alles geneigten Platzfläche mit einer ausgeprägten Wasserkunst vereinigte 9 Stimmen auf sich.

Bei der Bewertung der einzelnen Entwürfe („gefällt mir / gefällt mir nicht“) steht dem vielen Lob für Gestaltung, Differenzierung und Nutzbarkeit der Entwürfe 1 und 2 eine Ablehnung der niveauüberwindenden und zonierenden Sitzstufen gegenüber: Ein Drittel der Befragten lehnt diese Gestaltung teils rigoros ab mit dem Hinweis auf zu große Einschränkungen der Zugänglichkeit für eine zunehmend überalternde Bevölkerung in Kettwig.  (Mehr dazu in der Auswertung der Antworten mit freiem Text).

Die Auswertung der Antworten mit freiem Text

Die Auswertung der freien Texte geht naturgemäß mit der Subsummierung von einzelnen Anregungen unter Obergriffe einher. Eine solche Kategorisierung führt bei nur stichwortartigen Beschreibungen zu unvermeidbaren Unschärfen und Interpretationsräumen. Dieses Risiko vor Augen, möchten wir folgendes Fazit aus den häufigsten Nennungen ziehen:

  • Im Vordergrund stehen eindeutig solche Voten, die sich mit der „Alltagstauglichkeit“, der Verbesserung der Verweilqualität in sonnigen und schattigen Bereichen befassen und -ganz weit vorn wie auch bei den Ankreuz- Fragen- mit der Einrichtung einer Gastronomie mit Außensitzplätzen zur Steigerung der „Attraktivität“ des Platzes; Der Wunsch, den Platz für großformatige Veranstaltungen (Marktverlagerung, Feste) herzurichten wird eher zurückhaltend geäußert;
  • Der vielfach vorgetragene Hinweis auf Bewegungseinschränkungen älterer Menschen in Kettwig spiegelt sich auch im häufig formulierten Wunsch nach „ebenen“ Oberflächen ohne Stolperkanten, geeignet für Rollator-Nutzer, wider; Barrierefreiheit im weitesten Sinne wird jedoch ausschließlich mit Blick auf diese Nutzergruppe eingefordert, Fußgänger mit Kinderwagen, die in gleicher Weise von einer Barrierefreiheit profitieren würden, kommen nicht vor;
  • Deutlich weniger als im Vorfeld der Diskussion zu hören und nach der Diskussion in der Bürgerinformation erwartet, wird die Einheit der drei Bereiche Marktplatz, Märchenbrunnen und Rathausplatz gefordert (8 Stimmen, 14%); dabei steht eher die Beziehung Märchenbrunnen – Rathausplatz im Vordergrund; es gibt allerdings auch Widerspruch zu einer solchen Forderung mit dem Hinweis auf die Wahrung unterschiedlicher Charakteristika dieser Teilflächen (2 Stimmen) und dem Verweis, dass Sichtachsen „reichen“;
  • der Wunsch nach einem -im Oberflächenbelag– einheitlichen, möglichst niveaugleichen Übergang vom Märchenbrunnen zum Rathausplatz wird erweitert durch dem Wunsch nach einer verkehrsberuhigten Zone (Spielstraße, shared space o.ä.) dort, wo die drei Platzbereiche von der Haupt- und der Schulstraße berührt bzw. durchschnitten werden; in vertretbarer Zusammenschau mit der vorherigen Kategorie wird daraus dann doch ein bemerkenswertes Votum;
  • hinsichtlich einer (Baum-) Bepflanzung gibt es den Hinweis auf Aufrechterhaltung / Schaffung von Sicht- oder Blickachsen zwischen den 3 Bereichen Markt, Märchenbrunnen und Rathausplatz; Kirschbäume werden aufgrund ihrer nur kurzen Blütenphase abgelehnt;
  • auch unabhängig vom Votum für den Fütterer-Entwurf, der bereits eine Wasserfläche aufweist, wird die Gestaltung des Platzes mit einer Wasserkunst

Einzelne Stimmen aus dem freien Text

An dieser Stelle seien einige Stimmen widergegeben, die die gesamte Spannbreite der Diskussion zeigen.

Zitate:

Ich finde den Platz gut so wie er ist  versus  Die jetzige Gestaltung ist eine Verschwendung von Steuergeldern

Entwurf 1 zu teuer, wer soll das bezahlen, versus. Gute Ideen dürfen nicht immer im Vorfeld schon an dem Argument scheitern, es sei kein Geld da

Zu viele Treppen versus Treppen als selbstverständlicher Bestandteil eines urbanen Platzes

Mehr Grün versus Keinen Landschaftspark anlegen

Bei der Gestaltung ist auf die vielen älteren Leute Rücksicht zu nehmen versus  Aktive Ansprache der „Neu-Kettwiger, deren Kinder hier aufwachsen werden und die vielleicht „jüngere“ Ideen haben 

Kein Spielplatz sondern ein Hinweis auf den Spielplatz am Hexenberg reicht

Grün in beweglichen Pflanzkübeln, um große Freiflächen herrichten zu können

Keine weitere Überfrachtung mit Kunstobjekten

Rathausplatz und Märchenbrunnenplatz gehören zusammen und in Zukunft, wenn vielleicht das Kettwiger Parkplatzproblem aus dem Raum des Marktplatzes und der dortigen Hauptstraße verbannt werden könnte, wäre sogar urbanes gesellschaftliches Leben auf dem Marktplatz selbst möglich und im Gesamtbild ein echter Anziehungspunkt…. vs. fehlende Parkplätze an Markttagen.

In manchen freien Texten spiegelt sich häufig eine intensive Auseinandersetzung mit der stadträumlichen Situation, es werden aber dann doch eher wenig operationalisierbare Vorschläge formuliert.

Zitat (beispielhaft)

Es soll unter vernünftigen und wirtschaftlichen Prämissen ein Ziel-Konzept erarbeitet werden, welches auch mittelfristig eine Lösung bringt…

Und es werden individuelle Wünsche / Anregungen nicht nur geäußert (das war ja das Ziel der Bürgerinformation) sondern als allgemeingültige Gestaltungsprämissen aus einer Warte vorgetragen, die die Wünsche und Anregungen der Bürger wie selbstverständlich bereits im Vorhinein zu kennen glaubt. Solche Setzungen lediglich der Stärkung des eigenen Postulats, taugen aber nicht für argumentative Begründungen.

Zitate dazu:

Beiden Entwürfen (Anmerkung: gemeint sind Entwürfe 1 und 2 der Planungsgruppe Pacyna|Nemitz|Sandmann) liegt der Fehler inne, dass ohne Vorgaben und Angaben zu Kosten und Realisierungs-Möglichkeiten Pläne vorgestellt wurden, die nicht den sinnvollen und angestrebten Nutzungsmöglichkeiten Rechnung tragen.

Die gewünschten Nutzungen sind (Anmerkung: im Fütterer-Entwurf) weitgehend berücksichtigt…

Die Dialogkarten wurden auch als „Kummerkasten“ für die Beschreibung von individuell als Manko empfundenen Zuständen in Kettwig genutzt. Da sie sich thematisch nicht eingliedern lassen, wird auf ihre Darstellung verzichtet.

 

Der folgende Absatz  enthält die tabellarische Zusammenfassung der Antworten.

1

5.2       Bestandsplan des HVV-AK

2.png

5.3       Höhenplan und Abmessungen 

3.png

4.png

 

Aufmaß und Grafik (ohne Maßstab) gefertigt von:

27


6. Die Konzeption der Planungsgruppe Nemitz|Sandmann

Hubert Sandmann, Architekt – Maria Nemitz, Landschaftsarchitektin

 

Bestandsbeschreibung (siehe Bestandsplan)

Der Rathausplatz befindet sich im historischen Stadtzentrum von Kettwig und ist Teil einer größeren Gesamtfreifläche, die durch zwei stark befahrenen Straßen, die Haupt- und die Schulstraße, in drei recht unterschiedliche Bereiche unterteilt wird:

1. Teilbereich „Bürgermeister-Fiedler-Platz“

Im Norden des Gesamtraumes befindet sich das alte Rathaus, im rechten Winkel dazu – im Osten – ein funktionaler Anbau aus den 70er Jahren und weiteren Gebäuden aus dieser Zeit.  Diese Gebäude und die Schulstraße im Westen bilden die Raumbegrenzung für den eigentlichen Rathausplatz.

Links neben dem Rathaus befindet sich eine kleine Freifläche mit einer wassergebundenen Wegedecke, umrahmt von sieben kronenbeschnittenen Linden, der sogen. Bouleplatz.

2. Teilbereich „Marktplatz“

Die nach Westen verlaufende Hauptstraße erweitert sich nach links zum Marktplatz, 5geprägt durch eine Raumkante aus klassizistischen Gebäuden mit einer Vorpflanzung aus einer Reihe hoher, beschnittener Platanen. Hier wird zweimal wöchentlich der sehr beliebte Wochenmarkt abgehalten, an den anderen Wochentagen dient er als innerstädtische Parkfläche.

Die Begehung der Fläche während des Markt-geschehens ist z.Zt. nicht unproblematisch, da die befestigten Flächen von den Marktständen eingenommen werden und die Lauffläche z.T. über die Wurzelbereiche der Platanen erfolgen muss.

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 3. Teilbereich „Märchenbrunnenplatz“

7Etwa ab Mitte des Marktplatzes zweigt von dort die nach Norden verlaufende Schulstraße ab. Die Raumkante im Westen wird hier gebildet durch eine Bebauung moderner Art in verschiedenen Stilen. Die Abzweigung der Schulstraße von der Hauptstraße ergibt einen kleinen, halbinselartigen Platzbereich, den sogenannten Märchenbrunnenplatz, ausgestattet mit Märchenfiguren und einem Wasserspiel.

 Sicherheitspflanzstreifen

8In der Nähe der Bushaltestelle und an zwei Bereichen des Märchenbrunnen-platzes befinden sich sehr gut funktionierende, gut bepflanzte und mit einem Niedrigzaun versehene Sicher-heitsstreifen (siehe Nr.5, Bestandsplan).

 

Kunstwerke (Bestandsplan K)

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Kunstwerk 1: Skulptur „Die Familie“

Künstler Herbert Lungwitz, entstanden 1983, aufgestellt 1985. Mit dieser Skulptur begründete der „Heimat-und Verkehrsverein Kettwig“ im Jahr 1985 den Skulpturenpark.

Kunstwerk 2: Skulptur „Breklosku“10

Künstler Werner Graeff, entstanden1971, aufgestellt 1988. „Breklosku“ bedeutet „breite, klobige Skulptur“, sie ist dem Konstruktivismus zuzuordnen.

Kunstwerk 3: Märchenbrunnen11

Künstler Carl Emanuel Wolf, entstanden 2008, aufgestellt 2008. Die Skulpturengruppe besteht aus dem Wildschwein am Brunnen und dem einige Meter entfernten Schneiderlein auf der Säule.

 

 

 

Bewertung des Bestandes

Der Marktplatz, der Märchenbrunnenplatz, der Bereich zwischen Schulstraße und der Bebauung im Westen, ebenso wie die Haupt- bzw. Schulstraße präsentieren sich durch eine optische Einheitlichkeit, da sie im Zuge der kommunalen Neugestaltung vor einigen Jahren durch einen attraktiven Natursteinplatten- bzw. Pflasterbelag (teils als Karree) aufgewertet wurden. (siehe Nr. 4, Bestandsplan).

Dieser hochwertige Belag findet sich auch in vielen weiteren Bereiche unserer Stadt als Laufstreifen aus Platten und Kleinpflaster, der sich durch sehr gute Begehbarkeit, auch mit Rollatoren, Rollstühlen und Kinderwagen auszeichnet.

12.pngHauptstraße

13.pngKirchfeldstraße

14.pngRuhrstraße

 

Leider wurde der Bürgermeister-Fiedler-Platz von diesen Maßnahmen aus­genommen und präsentiert sich heute mit einer sehr unattraktiven Beton­versiegelung aus Platten, Pflaster unterschiedlichen Alters und einer Waschbeton-Treppenanlage (siehe Nr.2, Bestandsplan).

15.png

16.pngEine Gestaltungsänderung erfuhr der Platz bereits durch die Tätigkeiten von Grün und Gruga, indem einige der großen Bäume gefällt wurden, weiterer Bewuchs wie Rhododendren und niedriges Buschwerk entfernt wurden, die betonversiegelte Fläche vergrößert wurde durch Bepflasterung eines ehemaligen Pflanzbereiches, die Herstellung eines zusätzlichen Fußweges und des Weiteren durch die Abdeckung der ehemaligen Pflanzfläche mit Kalksteinschotter, versehen mit einer Bepflanzung von winterharten Stauden (siehe Nr. 3, Bestandsplan).

 

NEUGESTALTUNG

Planungsziele:

Eine architektonisch, landschaftsplanerische Neugestaltung dieses Platzes ist ein dringend notwendiger und erstrebenswerter Schritt hin zu einer attraktiven, dem Attribut „Gartenstadt“ entsprechenden Stadtmitte.

Die Schwierigkeit der Neugestaltung dieses Gesamtraumes mit im Grunde drei verschiedenen Platzbereichen ergibt sich aus der beschriebenen Heterogenität der unterschiedlichen, einfassenden Bebauung, der unterschiedlichen Versiegelung, der zerschneidenden Straßenführung und der Höhendifferenz von ca.  1,10 m an der Gebäudekante im Osten des Platzes.

Die Neugestaltung soll die Wichtigkeit des Rathauses mit seinen verschiedenen Aufgaben hervorheben und die Aktivitäten durch eine hohe Aufenthaltsqualität unterstützen.

Unser ausdrückliches Ziel ist es, einen homogenen Platz zu schaffen mit einer angenehmen Aufenthaltsatmosphäre, guten Nutzungsmöglichkeiten für Veranstaltungen wie Stadtfeste, kulinarische Meile, Weihnachtsmarkt, Freiluftkonzerte etc., aber auch privatere Nutzungen wie Hochzeiten und eine attraktive Außengastronomie sollen ihren Raum finden.

Die Gestaltung soll aber so angelegt werden, dass sie sich in das „Gesamtplatzensemble“ einfügt, nämlich mit den durchaus attraktiven Bereichen des Markt- und Märchenbrunnenplatzes und des Bereiches links neben der Schulstraße. Durch sorgfältige Material- und Pflanzenauswahl soll eine innerstädtische Einheit und Zusammengehörigkeit entstehen.

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Rathausplatz (siehe Entwurfsplan A)

1. Untere Teilfläche

Die neugestaltete, untere Teilfläche – der fußläufige Bereich an der Straße, vor und hinter der Bushaltestelle – erweitert sich um einige Meter auf nahezu Straßenanschlussniveau Richtung Rathaus bis zur geplanten Stufenanlage. Durch einen Belag mit den gleichen Materialien und dem gleichen Verlegemuster wie auf den anderen Platzbereichen (Markt- und Märchenbrunnenplatz), nämlich ein Karree aus Porphyrplatten und einer Umrahmung aus Natursteinkleinpflaster, wird eine optische Einheitlichkeit erreicht und bildet mit dem Marktplatz und dem Märchenbrunnenplatz eine große, nahezu auf einer Ebene befindliche, homogene Platzfläche, die im Westen langsam ansteigt zum Niveau des oberen Teilbereiches.

Das Kunstwerk „Die Familie“, das nicht mehr versetzbar ist, erhält einen Sockel, eingebettet in ein Hochbeet mit zusätzlichen Sitzmöglichkeiten, die auch im unteren Platzbereich zum Verweilen einladen.

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    (Florian Koch)

 

 2. Obere Teilfläche

Der obere Platzbereich – direkt vor dem Rathaus – erhält ebenfalls den gleichen Plattenbelag wie die anderen Platzflächen, um die Zusammengehörigkeit dieser Teilbereiche nochmals zu manifestieren.

Der Rathausvorplatz soll zum einen den repräsentativen Ansprüchen Rechnung tragen, z.B., bei Veranstaltungen wie Hochzeiten, Stadtfesten, Weihnachtsmarkt,  kulturellen Events und Ähnlichem, zum anderen aber auch weitere dauerhafte Nutzungen ermöglichen, die sich selbstverständlich in das Spannungsfeld zwischen dem bestehenden und dem neugestalteten Umfeld einfügen,  z.B. ein Café oder ein anderes gastronomisches Angebot.

Er soll aber auch ein attraktiver, innerstädtischer Begegnungsbereich werden, ausgestattet mit Sitzmöglichkeiten (auch ohne Verzehrverpflichtung), z.B. mit Bänken, die zum Verweilen und Ausruhen oder zur Kommunikation einladen und einen entspannten Aufenthalt in angenehm gestalteter Umgebung ermöglichen.

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Am Übergang der Plattenfläche zur Stufenanlage ist eine Reihe kleinkroniger, sehr attraktiver, japanischer Zierkirschen geplant (Prunus serrulata „Amanogawa“ oder Prunus hillieri „Spire“). Diese Bäume verzaubern mit einer üppigen Blütenfülle im Frühjahr und je nach Auswahl auch mit einer wunderschönen Herbstfärbung. Die Bäume haben einen lockeren, durchsichtigen Kronenaufbau und werden im Abstand so zueinander gesetzt, dass sie selbst im ausgewachsenen Zustand kein geschlossenes Kronendach ausbilden. Die Verästelung der Bäume beginnt ab ca. 2.20 m und auch dadurch ist ein guter Durchblick auf das Rathaus dauerhaft gewährleistet. So erhält man einen definierten Raum, der Platz hat einen attraktiven Rahmen, ohne ihn jedoch zu den anderen Bereichen hin abzuschotten.   23223. Verbindung der beiden Flächen

Als Verbindung des unteren Teilbereiches mit dem obenliegenden, direkten 24Rathausvorplatz ist eine großzügige Stufenanlage aus Lauf- bzw. Sitzstufen geplant, die die Formensprache der umgebenden Architektur aufnimmt. Sie erstreckt sich über die komplette Platzbreite und stellt eine fußläufige Verbindung dar zwischen dem unteren Bereich an der Straße und der höher gelegenen Ebene vor dem Rathaus. Der direkte Höhensprung an der östlichen Gebäudekante von ca. 1,10 m wird mithilfe einer attraktiven Mauer überwunden, an der die Treppenstufen ansetzen und dann im Höhenverlauf des westlichen Platzbereiches im Gelände verlaufen.

Diese Stufenanlage betont durch ihren intensiven Aufforderungscharakter zum einen die Bedeutung des gesamten Raumes um das Rathaus herum, zum anderen schafft sie nach Süden eine zur Sonne ausgerichtete Aufenthalts-möglichkeit, um von dort das städtische Treiben zu beobachten. Sie ist keine Barriere, sondern ein gestalterisches, verbindendes Element.

4. „Bouleplatz“

Der links vom Rathaus von sieben Linden eingefasste sogenannte Bouleplatz, in der Formensprache eine Verlängerung des Rathausgebäudes, erhält ebenfalls eine Pflasterung wie die anderen Platzbereiche und könnte, versehen mit Sitzmöglichkeiten und einer Ausstattung z.B. mit sogen. „Wackeltieren“ einen Bereich für den Aufenthalt vor allem auch mit Kindern ergeben. Auch ein gepflastertes Schachspiel wäre als Variation denkbar.

5. Marktgeschehen / Shared Space

Da seitens der Stadt der Vorschlag aufgenommen wurde, dass der Straßenbereich der Hauptstraße von vor dem Platz bis zur Einfahrt  zur Kringsgat auf der Schulstraße als eine verkehrsberuhigte Zone (Shared Space) ausgewiesen werden könnte, würde dies die erstrebenswerte Möglichkeit  eröffnen,  dass ca. die Hälfte der Marktstände von der anderen Seite der Straße auf dem unteren Teil des Rathausplatzes Aufstellung nehmen könnte und somit endlich auf dem Marktplatz mit nur einreihiger Aufstellung eine viel bessere Zugangsmöglichkeit für Marktbesucher geschaffen würde.

Durch die Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit bildet der dort dann extrem langsam fließende Verkehr während des Marktgeschehens kein Hindernis zwischen diesen beiden Teilflächen des Gesamtplatzes. Bei dieser Regelung wäre es auch möglich, die Sicherheitspflanzstreifen wegzulassen.

Um die Fläche im unteren Teil des Platzes zu vergrößern, könnte die Stufenanlage näher zum Rathaus hin verschoben werden. Dies würde die Aufstellung der Marktstände (oder auch anderer Stände bei Veranstaltungen) noch einfacher machen. Man erhält einen noch großzügigeren, komfortablen Platzbereich mit vielen Möglichkeiten der Nutzung (Entwurfsplan B).

25.png6. Pflanzen

Der Rathausplatz soll keine innerstädtische Parkfläche sein, aber er soll auch nicht frei26 von Grün sein, da Pflanzen immer eine angenehme Atmosphäre und hohe Aufenthaltsqualität schaffen.

Zwei der Dreiergruppe der vorhandenen alten Eichen sollen erhalten bleiben und im Sommer kühlen Schatten spenden. Neben den bereits erwähnten Japanischen Kirschen soll eine Reihe Zierbirnen (Pyrus calleryana „Chanticleer“) vor dem Hörgerätegeschäft Platz finden. Dies sind schmalkronige, nicht fruchtende Bäume mit ebenfalls schöner, weißer Blütenfülle im Frühjahr und einer attraktiven Herbstfärbung. Diese Bäume sind bereits schon in unserer Stadt zu finden, nämlich als Straßenbegleitgrün auf der Kirchfeldstraße und ein paar Exemplare an der Schulstraße.

Die von Grün und Gruga angelegte Staudenbepflanzung der Schotterfläche könnte z.T. im Bereich um die Skulptur „Breklosku“ Verwendung finden, ebenso in den Pflanzkästen der Skulptur „Die Familie“.

 

Zusammenfassung

Es gibt in unserer Stadt einige sehr attraktive Bereiche, die hochwertig ausgestattet sind und gut funktionieren. Die Gestaltung des Rathausplatzes soll mit diesen Bereichen korrespondieren, die Material- und Formensprache aufnehmen und durch all die beschriebenen Maßnahmen unseren so wichtigen, zentralen Platz aufwerten zu einem gern genutzten, kommunikativen Begegnungsbereich, der durch seine Gestaltung den Ansprüchen der Bewohner, ausgedrückt bei einer Befragung der Bürger vor einiger Zeit, entspricht und dauerhaft den Aufenthalt und die Nutzungen in schöner, attraktiver Umgebung ermöglicht.

Es wäre wünschenswert, wenn die Lücken im Naturstein- bzw. Plattenbelag auf den Gehwegen geschlossen werden könnten, dann erhielten wir mit der Neugestaltung des Rathausplatzes eine Innenstadt „aus einem Guss“.

 

Kontakt:

Maria Nemitz, Tel. 02054-15600 /
maria.buese@gmx.de

Hubert Sandmann, Tel. 02054 – 860 5234 /
hubert.sandmann@gmx.de


Stellungnahme als pdf zum Download:
Stellungnahme des Arbeitskreises – Stand 09-01-2018_

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